Die Regenzeit hat eben mal für ein paar Tage den Hahn zu, was nicht nur brennende Sonne bedeutet, sondern auch rasant steigende Temperaturen. Mein UPS quittiert dies mit andauerndem Gepiepe. Was mein UPS mit der Sonne zu tun hat? Das kastenförmige Zusatzgerät mit dem sperrigen vollen Namen Uninterruptible Power Supply soll eigentlich dafür sorgen, dass sensible technische Geräte auch bei plötzlichem Stromausfall noch zu gebrauchen sind. Zumindest eine Zeit lang. Das macht sich gut bei Computern, da ein UPS Gelegenheit gibt, in Bearbeitung befindliche Dateien flugs zu speichern, ehe der Saft ganz ausgeht. Den eingetretenen Notfall gibt der UPS mit lautem Piepen kund. Verkürzen sich die Piep-Intervalle, steht es auch mit der Pufferbatterie in dem Kasten nicht mehr gut.

Strom sparen

Bei mir ist Strom und der UPS piept trotzdem. Das hat nun indirekt mit der Sonne zu tun. Denn wenn es warm wird, neigen die Menschen in meiner Wohngegend dazu, ihre Klimaanlagen einzuschalten. Das wirkt sich negativ auf die Netzspannung aus, zumindest – jetzt wird es technisch – phasenbezogen. Kurz und gut, ich habe es nachgemessen. Wenn die Spannung auf der Phase, aus der auch mein Büro seinen Strom bezieht, unter 180 Volt sinkt, schaltet der UPS auf Notbetrieb. Sinkt die Spannung weiter auf etwa 150 Volt, dann gibt meine Klimaanlage nur noch ein sehr mürrisches Brummen von sich, als würde sie augenblicklich einen kompletten Kreislaufkollaps erleiden. Neonröhren senden erst verzweifelte Blinksignale und bleiben dann aus. Die neumodischen LED-Leuchten zwinkern schelmisch. Bei den weniger robusten Ausgaben verabschiedet sich das Steuergerät nach einigen Tagen für immer. Nur augenblickliches Ausschalten verhindert Schlimmeres.

Bei Nachbars war Schlimmeres nicht verhindert worden. Der Nachbar ist ein renommierter Arzt, der auf seinem Grundstück eine gutgehende private Klinik betreibt. Die hat er mit allerlei hochmodernem und hochsensiblem medizinischen Gerät bestückt. Einige der Apparate waren nun nicht eben angetan von sparsamer Stromversorgung und haben den Dienst quittiert. Dauerhaft. Ohne Versicherung. Das heißt, zu vollen Lasten des Doktors.

Nun ist uns der Zusammenhang zwischen Außentemperatur und Stromverbrauch in unserem Viertel nicht neu. Schon seit drei Jahren leben wir in diesem Auf und Ab der Spannung. Unzählige Male haben wir den Notdienst der staatlichen Stromversorgers EdL angerufen und das technische Team zum Anrücken bewegt. Dutzende Male hat das Messgerät der EdL-Techniker unsere eigene Messung bestätigt: Spannungsabfall. Auch die Frage nach möglicher Lösung wurde konstant in gleicher Manier beantwortet. Der Transformator unseres Viertels ist offenbar überlastet und müsse zur dauerhaften Lösung des Problems durch einen größerer Leistung ersetzt werden. Dies sei jedoch nicht Aufgabe des Notdienstes. Ein Antrag an die Zentrale von EdL sei zu verfassen, bestätigt von der Gemeindeverwaltung und der Distriktbehörde. Das geschah vor mehr als Jahresfrist. Die damit verbundenen Behördengänge haben eine Mitarbeiterin wochenlang gut ausgelastet, ehe die richtigen Formulierungen mit den richtigen Stempeln versehen waren. Höhepunkt des geselligen Spiels mit dem Stromversorger: die Anrede „an den Herrn Generaldirektor“ ist nicht akzeptabel, korrekt muss es lauten „an den sehr geehrten Herrn Generaldirektor“. Also hat man ihm die Ehre zuteil werden lassen. Geändert hat sich – nichts.

Der Doktor hat sich der Petition nicht angeschlossen. Er hat in seine Tasche gegriffen und 11.000 Euro herausgezogen. Nun hat er seinen eigenen Trafo auf dem Grundstück und eine konstante Stromversorgung. Er hat uns auch angeboten, an seiner privaten Lösung teilzuhaben. Bei Übernahme der Hälfte der Kosten.

Bei „uns“ handelt es sich nicht in erster Linie um mein stromverbrauchsmäßig eher spärlich ausgestattetes Büro. Es geht um das Vientiane Autism Center mit 40 autistischen Kindern und 25 Angestellten, die bei Spannungsabfall in sich dank tropischer Sonneneinstrahlung dann schnell aufheizenden Räumen sitzen. 6.000 Euro für einen Anteil am Trafo sind eine stolze Summe. Derzeit erhalten 17 der 40 Kinder einen Zuschuss zu den Betreuungskosten, weil die Eltern die monatlich 200 Euro nicht aufbringen können. Wir rufen also weiter an bei EdL und hoffen, dass unser Antrag irgendwann einmal einen entscheidenden Fortschritt macht.

Ach ja, die Stromrechnung von rund 150 Euro im Monat bezahlt das Zentrum voll. Und pünktlich. Sonst würde eine Serviceabteilung von EdL anrücken und uns ganz vom Netz trennen.