Trockenzeit. So ließe sich dieser Beitrag wohl am besten überschreiben. Wobei: klimatechnisch gesehen ist es nicht mehr ganz so trocken. Das heißt, es regnet, abgesehen von ein paar heftigen Gewitterschauern, nicht, doch die Luftfeuchtigkeit steigt spürbar. Alles wächst und gedeiht. Und blüht. Wenn man sich nicht zu dilettantisch anstellt. Die Idee, die wohl am weitesten verbreitete Pflanzengilde der Permakultur in die Praxis umzusetzen, ist im ersten Anlauf kläglich gescheitert. Die Steckzwiebeln sind ohne Rückstände verrottet und die Möhren gingen gar nicht erst auf. Vermutliche Ursachen gab es gleich zwei: zu wenig Sonne und zu viel Wasser. Nun gut, aus Fehlern lernt man und Versuch Nummer 2 ist schon eingeleitet.

Vielleicht sollte man auch vorsorgen, selbst wenn es nur Zwiebeln sind. Gestern habe ich Offizielle gesehen, die die Straßenhändler auf einem kleinen Markt in der Nähe weggescheucht haben. Keine Menschenansammlungen, hieß es. Keiner fragt, wie die kleinen Händler, die sich einen permanenten Stand auf den größeren Märkten nicht leisten können, über die Covid-19-Krise kommen sollen. Wer weiß, was noch kommt. Die Anweisung an die Dorfältesten führte auch zu anderen prompten Reaktionen. Rückkehrende Wanderarbeiter, meist aus Thailand, werden aufgegriffen und in Quarantäne gesteckt. Oft in Schulen, nicht selten unter zweifelhaften hygienischen Bedingungen. Da die Grenzübergänge dicht sind, kommen sie nun mit kleinen Booten da entlang, wo es keine Kontrolle gibt. Aber Kontaktmöglichkeiten.

Also baue ich Zwiebeln an. Und Salat. Noch gibt es zwar den Öko-Markt, aber wer weiß, wann jemand auf die Idee kommt, dass das ja auch eine Menschenansammlung ist. Vor ein paar Tagen war ich auf einer der größten Maulbeerfarmen des Landes in der Provinz Xieng Khouang und habe einiges gelernt. Vor allem, dass dem Gewächs, das sich lateinisch Morus alba nennt, auch radikaler Rückschnitt nichts ausmachen kann. Also haben wir im Garten unsere erste Handvoll Früchte geerntet und dann die Schere angesetzt. Mit doppeltem Nutzen, denn nun treiben die Pflanzen neu und es gab einige Blätter. Die wiederum geben einen Tee, dem vielfältige gesundheitliche Wohltaten zugeschrieben werden. In veredelter Form von Teebeuteln gab es auch auf der Farm davon. Da die Sonne scheint und Blätter da sind, warum nicht mal Tee aus eigener Fabrikation probieren? Da Google einmal darauf losgelassen war, habe ich mal weiter gesucht, was noch zu Tee gemacht werden kann. Von der Blauen Klitoria (Clitoria ternatea) hatte ich schon in Folge 4 berichtet. Aber auch Hibiskusblüten (Hibiscus rosa-sinensis), Mango- (Mangifera indica), Papaya- (Carica papaya) und natürlich Graviolablätter (Annona muricata) lassen sich zu Tees verarbeiten, denen die Experten allerhand, zum Teil geradezu wundersame, Wirkungen zuschreiben. Wächst alles hinterm Haus. Hinzufügen ließen sich noch Rosella (Hibiscus sabdariffa), die bald auch bei mir heimisch sein wird, und nicht zuletzt Cannabis, das wohl derzeit eine weltweite Entteufelung und damit verbunden überschwängliche Zuwendung erlebt.

Trocknung

Maulbeerblätter und Klitoria-Blüten

Einiges davon liegt auf dem Bambusgeflecht unter der Sonne und gibt der heutige Folge ihren Untertitel: Trockenzeit eben. Doch dabei kann es natürlich nicht bleiben. Heute musste ich auch erleben, dass das gern frequentierte JoMa Café ebenfalls schon geschlossen ist. Nun habe ich noch ausreichend grünen Kaffee auf lager, um selbst längere Versorgungsengpässe zu überstehen, doch gesünder scheint inzwischen die Maulbeer-Option. Abgeschnittenen Äste standen ja auch ausreichend zur Verfügung. Inzwischen säumen sie meine Fensterbank,

Fensterbank

Maulbeerstecklinge

wobei einige der Stecklinge schon nach einer Woche munter treiben. Eng wird es dann nur im Garten, vor allem, weil die Pflanze einen sonnigen Standort bevorzugt. Doch da stehen ja nun schon die Zwiebeln.